Der kleine Unterschied zwischen Beruf und Privat

Während Fehler im Privatleben schmerzhaft und manchmal teuer werden können, haben sie im Berufsleben eine ganz andere Brisanz. Dort kann an einziger Fehler einen Millionenschaden nach sich ziehen, eine Fehlentscheidung kann Unternehmen in die Insolvenz treiben und unzählige Arbeitsplätze kosten, und als Arbeitnehmer kann ein Fehler im schlimmsten Fall zur Kündigung führen. Andererseits müssen Unternehmen und ihre Mitarbeiter Fehler machen können, um innovativ am Markt zu bleiben und um erfolgreich tätig zu sein. Kann man also überhaupt fehlerfrei arbeiten? Wie geht man als Unternehmen richtig mit Fehlern um? Wie kann man selbst aus Fehlern lernen? Und wie steht es um die vernünftige Fehlerkultur im Unternehmen?

Das Märchen von der Null-Fehler-Toleranz

Besonders in prozess- oder produktionsgetriebenen Unternehmen hört man den Begriff der Null-Fehler-Toleranz immer wieder. Ein Prozess muss fehlerfrei durchlaufen, damit das Ergebnis einwandfrei ist. Jeder Fehler führt zu Prozessverlängerungen, zu Abweichungen von der Norm, zu Ausschuss in der Produktion oder zu schlechter Qualität. Nicht umsonst sprechen Optimierungstools wie Six Sigma von der Null-Fehler-Toleranz. Doch gerade ein Betrieb, der Innovationen entwickelt, muss sich auch das Recht herausnehmen können, Fehler zu machen. Auch jeder Mitarbeiter muss im täglichen Berufsleben die Chance haben, möglichst angstfrei Fehler zu machen, ohne dabei um seinen Job fürchten zu müssen. Natürlich gibt es Tätigkeiten, in denen jeder Fehler zu einer sehr kostspieligen Angelegenheit wird. Ein Pilot, der einen Fehler macht, hat im schlimmsten Fall unzählige Menschenleben auf dem Gewissen. Doch abgesehen von solchen Extrem-Tätigkeiten muss es im täglichen Büroalltag erlaubt sein, Fehler zu machen – sofern man als Unternehmen und als Mitarbeiter daraus lernt.

Ein Blick in die Fehlerkultur

Die Fehlerkultur in vielen deutschen Unternehmen lässt allerdings häufig zu wünschen übrig. Angefangen bei der bloßen Verschleierung eines gemachten Fehlers, bis niemand mehr nachvollziehen kann, was eigentlich passiert ist, bis zum Abstreiten eines Fehlers ist alles möglich, doch selten gibt jemand zu, dass etwas falsch gemacht wurde. Auch das beliebte Fingerpointing ist in deutschen Büros sehr beliebt und läuft einer konstruktiven Fehlerkultur diametral entgegen. Letztlich besteht in den Unternehmen des Landes doch noch ein erhebliches Optimierungspotenzial, was das Lernen aus Fehlern und dem Umgang mit Fehlern betrifft.

Vom richtigen Umgang mit Fehlern

Den richtigen Umgang mit Fehler kann man lernen – sowohl als Mitarbeiter als auch als Unternehmen. Als Mitarbeiter muss man den Fehler erkennen, zugeben und sich um Wiedergutmachung und Schadensbegrenzung bemühen. Den wichtigen Kunden anrufen, eine Entschuldigung verfassen, den Vorgesetzten um Vermittlung bitten, eine Wiedergutmachung des Unternehmens anbieten: All das sind Möglichkeiten, aus einem Fehler zu lernen und den Schaden zu begrenzen. Als Unternehmen sollte man noch etwas weitergehen, wenn man aus Fehlern lernen will. Erkennen, welche Strukturen hinderlich sind, welche tieferliegenden Probleme vorhanden sind, welche Schwächen im Team bestehen oder welche Ungenauigkeiten existieren, ist elementar wichtig für eine solide Fehlerkultur. Dazu ist ein Fehler zu diskutieren, zu dokumentieren und zu analysieren. Im besten Fall etabliert ein Unternehmen sogar ein Fehler-Ranking und feiert die Top Ten der Fehler, aus denen das Team am meisten gelernt hat. Nur so verlieren Mitarbeiter die Angst vor Fehlern und die Angst davor, sie zuzugeben. Natürlich bleibt auch bei dem besten Fehler immer die Chance, daraus zu lernen und die Dinge in Zukunft besser zu machen – wenn man eine solide und offene Fehlerkultur etabliert hat, von der Unternehmen und Mitarbeiter in Zukunft profitieren.

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